Purpose steigert Performance

„Folgen Sie beruflich nicht Ihrer Begeisterung!“ – Ein überraschender Imperativ? Er widerspricht allen Studienberatern, die den Absolventen nahe legen, sie sollten beruflich den Weg einschlagen, der ihnen am meisten Spaß macht. Schließlich sind Freude und Begeisterung eine Voraussetzung für Motivation und damit für Erfolg und gute Leistung.

Der US-amerikanische Management-Professor Morton Hansen hat diese Hypothese auf die Probe gestellt. In einer großen Studie mit 5.000 Führungskräften und Mitarbeitern hat er untersucht, wodurch sich Top-Performer von anderen unterscheiden. Es stellte sich heraus, dass Begeisterung (Passion) tatsächlich zu hoher Leistung im Job führt. Allerdings zeigten sich bei Menschen, die beruflich ihrem Purpose folgen, deutlich höhere Leistungswerte. (Purpose meint hier was bei uns landläufig „Berufung“ genannt wird – „Was ist mein höherer Sinn? Warum tue ich was ich  tue? Wozu will ich damit beitragen?“)

Noch höher lagen in der Studie jene, die im Job Purpose und Passion verknüpfen. Sie lagen im Vergleich zu Personen, die weder Purpose noch Passion hatten um 18% höher im Leistungsniveau. Die Studie zeigte, dass Purpose & Passion der zweitgrößte Leistungshebel von Menschen ist (gleich hinter „Do less, then obsess“ – fokussiere auf weniges und betreibe das obsessiv). Der Grund für den starken Leistungseffekt von Purpose und Passion liegt darin, dass jene Menschen pro Arbeitsstunde mehr Energie in ihre Arbeit stecken. Sie arbeiten nicht mehr Stunden, sondern intensiver. Der Karriere-Tip des Forschers ist daher „Do not follow your Passion!“ Anstatt nur dem zu folgen was einen begeistert und was man mag, sieht er es als entscheidender, den eigenen Purpose zu entdecken und ihm auch beruflich zu folgen – im Idealfall in einem Job, für den man sich auch begeistert. Morton Hansen unterscheidet Purpose und Passion sehr klar. Passion sei oft eine selbstbezogene, hedonistische Haltung: „Was macht mir Spaß? Was hält die Welt für mich bereit?“ Purpose beschreibt das Gegenteil: „Was kann ich der Welt geben?“ – Menschen, die Beiträge für andere Menschen, Unternehmen oder die Gesellschaft leisten, die als sinnvoll erlebt werden und niemandem schaden. Laut der Studie ist das allen Menschen möglich, egal in welchem Alter, in welcher Branche oder Berufsgruppe. Purpose ist nicht wie von manchen angenommen ein Luxus, den sich nur Gebildete oder Wohlhabende leisten können.

Den Effekt von Purpose auf die Produktivität und den Erfolg von Mitarbeitern erforschte auch LinkedIn. Die Sinn-orientierten Mitarbeiter der Plattform zeigen deutlich höheres Engagement und beschreiben ihren Job als erfüllender. Sie übertreffen ihre Kollegen in jeder Hinsicht, von der Bindungsdauer ans Unternehmen bis zu Führungsfähigkeiten. Auch eine Studie für den US-Markt in 2015 zeigte, dass sinnorientierte Beschäftigte um 64% mehr Erfüllung im Job erleben, dass es um 50% wahrscheinlicher ist, dass sie Führungspositionen übernehmen und um 47% wahrscheinlicher, dass sie ihre Arbeitgeber aktiv promoten.

Franziska Fink forscht zum Thema Purpose. Im Oktober 2018 erscheint ihr neues Buch „Purpose Driven Organizations“. Wer neugierig geworden ist, den eigenen Purpose zu finden, kann mit ihr und unserem Netzwerkpartner Thomas Felder zur Purpose Quest auf die Berge steigen.