Emotionen in der Kommunikation

Emotionen (aus dem Lateinischen e-movere: heraus bewegen) bewegen uns. Sie verfälschen unsere Wahrnehmung, weil wir nur mehr das sehen, was die Emotion aufrechterhält. Sie führen dazu, dass wir kaum mehr zuhören, sondern nur mehr – wie es William Isaacs  ausgedrückt hat – nachladen und insbesondere in der Wut, den Zugang zu unseren wahren Bedürfnissen verlieren. Letzteres möchte ich genauer erklären.

Marshall B. Rosenberg, der Begründer der gewaltfreien Kommunikation, erklärt die Wut zu einem Pfad zu unseren Wünschen. Die Ursache für die Wut ist immer ein unerfülltes Bedürfnis. Davon zu unterscheiden ist deren Auslöser – dieser ist meist das Verhalten einer anderen Person. Damit ist die Aufmerksamkeit bei dieser Person. Wir erklären sie für schuldig an unserem Leid und versuchen die Person dazu zu veranlassen, sich anders zu verhalten.

„In der Wut hören wir nur Vorwürfe“, schreibt Rosenberg an anderer Stelle und stellt infrage, dass jemand sein Verhalten aufgrund von Vorwürfen in einer emotionalen Situation verändert.

Viel eher sollten wir innehalten. Die einfachste Übung in der Wut ist, nichts zu sagen. Um einen kurzen Moment zum Nachdenken zu finden und dann gelassener zu reagieren. In diesem kurzen Moment könnten wir nun feststellen, was der wahre Grund für die Wut ist – welches Bedürfnis habe ich und was sage ich mir jetzt gerade im Moment, was mich wütend macht? Wütend macht uns nämlich nicht der andere, sondern, was wir uns über den anderen im Moment sagen: Ich bin wütend, weil Hans das Zimmer nicht aufgeräumt hat (Auslöser). Das unerfüllte Bedürfnis, Zeit für was anderes zu haben (Ursache) als den Kindern hinterher zu räumen, wird als solches nicht artikuliert, stattdessen wird dem armen Hans vorgehalten wie schlampig und rücksichtslos er nicht sei.

Würden wir Hans erklären, dass wir uns heute eigentlich vorgenommen haben, etwas Sport zu machen und uns daher wünschen würden, dass er sein Zimmer selbst aufräumt, wäre unsere Aussage für Hans wohl leichter anzunehmen.

„Sich ärgern ist wie Gift trinken, in der Hoffnung der Andere stirbt“, sagte Nelson Mandela mal treffend. Und er hatte im wörtlichen Sinne Recht: Emotionen sind biochemische Botenstoffe in unserem Körper, die diesen für Bewegung in Stellung bringen. Die somit aufgebaute Energie wurde früher noch für Kämpfe und Flüchte verwendet, während wir heute vermeintlich ruhig im Meeting sitzen bleiben, um dann danach Dampf abzulassen. Das mag kurzzeitig befreiend sein, hält uns aber auf die Dauer in der Emotion, weil unsere Gedanken ständig um den Auslöser kreisen. Sich in diesem Moment nach innen zu wenden, die Ursache zu finden und dann einen konstruktiveren Weg suchen, wie wir unser Bedürfnis befriedigen können, wäre eine Alternative. Ratsam ist in diesem Moment auch, in erster Linie Ich-Botschaften zu senden: Ich bin enttäuscht, weil ich (!) jetzt nicht Sport machen kann, weshalb ich mir wünschen würde, dass du mich hier mehr unterstützt.

Durch diese Ich-Botschaften und die Formulierung eines Wunsches statt einer Aufforderung kann das Gespräch deeskaliert werden.

 

Literatur:

  • Marshall B. Rosenberg: Was deine Wut dir sagen will: überraschende Einsichten: Das verborgene Geschenk des Ärgers entdecken. Gewaltfreie Kommunikation: Die Ideen & ihre Anwendung Junfermann Verlag; Auflage: 5 (16. August 2013)
  • William Isaacs: Dialog als Kunst gemeinsam zu denken (EHP-Organisation), Edition Humanistische Psychologie – Ehp; Auflage: 2. Auflage (2002)